Fotografie & Bildbearbeitung _ Lichtbilder

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Nibiru und andere Belichtungsfehler

Nibiri über Warnemünde

Da staunte ich nicht schlecht, als ich 2006 jenen unbekannten Planeten auf meinen Fotos entdeckte, war doch ohne Kamera von ihm nichts zu sehen. Aber das ist ja auch kein Wunder, denn wenn man Richtung Sonne schaut ist alles andere überstrahlt. ODER? …

Ein physikalischer Erklärungsversuch:

Leider habe ich keinen neuen Planeten entdeckt. (Jetzt, 2012, muss man ja sagen: Zum Glück!) Und ich amüsiere mich zur Zeit daher wissend über all die Digitalfotografen, die vermuten mit ihren Kameras Nibiri zu entdecken und dann traurig an ihren Rechnern sitzen und den kommenden Weltuntergang beweinen.

Leute: Physik hilft!

Auf diesen Fotos sind keine Planeten dafür aber zwei Belichtungsfehler deutlich zu erkennen.

Der eine Fehler ist Blooming ein Effekt, mit dem ich bei der Aufnahme bereits gerechnet habe. Das direkte Sonnenlicht ist zu hell, das Bild wird stark überbelichtet. Dabei kommt es bei Digitalkameras nicht nur zu weißen Bildstellen, sondern die Spannung steigt in den einzelnen Fotozellen so stark an, dass die Ladung in die benachbarten Zellen überläuft. Um die Sonne bildet sich im Bild eine grob gerasterte, in Helligkeitssprüngen abgestufte – wegen des Sensoraufbaus meist senkrecht verlaufende – Aura.

Und das andere würde ich nun den Nibiru-Effekt nennen. Die Gegenlichtaufnahme führt zu einem Geisterbild der Lichtquelle. Auf den Beispielfotos ist das Geisterbild  je nach Kameraneigung woanders positioniert und farblich eher im grünen Bereich.

Und das versuche ich (mir) mal zu erklären, wissenschaftliche Korrekturen erwünscht: (Mithilfe einer schematischen Zeichnung des Lichtverlaufs und des schönen Buches „Media Fotografie – analog & digital” von Thomas Walter, bin ich der Sache nun doch noch stärker auf den Grund gegangen und musste meine anfänglichen Vermutungen der Rotverschiebung korrigieren.)

Die Himmelsfarben werden erzeugt durch die Streuung und dabei Zerlegung des weißen Sonnenlichts an den Teilchen der Atmosphäre. Abends wird bei flacherem Einstrahlungswinkel der Weg des Lichts zu unseren Augen durch den Dunst länger beeinflusst. Der langwellige Rotanteil wird dabei weniger und die kurzwelligen Blauanteile des Lichts werden stärker zerstreut. Daher färbt sich der Himmel für unsere Augen in Richtung Horizont rot.

Der Effekt wird nun nocheinmal in unserer Digitalkamera zu berücksichtigen sein. Das gebeugte Licht spielt uns jetzt einen Streich. Ein Teil des Lichts führt nicht zur Überbelichtung, sondern macht sich als Geisterbild selbständig.

Schematische Darstellung der Lichtbrechung für den Nibiru-Effekt

Schematische Darstellung der Lichtbrechung für den Nibiru-Effekt bei einer Digitalkamera

Das von der Sonne kommende „zerlegte“ Licht trifft Glas. Im Linsensystem der Kamera kommt es zur chromatischen Aberration. Das ist die unterschiedliche Brechung der Lichtfarben beim Übergang von einem Medium in eine anderes. Die Lichtbestandteile werden also nochmals stärker getrennt. Rot wird kaum abgelenkt. Die Blauanteile hingegen werden (je nach Qualität der Linse!) stärker gebrochen. Somit trifft der Blauanteil etwas schräger auf dem Sensor auf als Rot. Der Sensor selbst reflektiert einen Teil des Lichts zurück an die Linsenrückseite. Davon wird nun ein Teil im Objektiv absorbiert (verschluckt) ein anderer Teil wird seinerseite zurückreflektiert auf den Sensor und bildet einen schönen schwach beleuchteten Planeten. Ein Abbild des kurzwelligen Sonnenlichts.

Hat sich gerade eine Wolke vor die Sonne geschoben, so wird auch dieser Schatten erscheinen (In den Bespielen gut erkennbar.) Das fotografierte Bild des Himmels sieht daher sehr anders aus, als der Himmel den wir mit bloßem Auge wahrnehmen.  Je größer die Brennweite des verwendeten Objektivs, desto größer wird auch das Geisterbild Nibiri sein. Je nach Neigung der Kamera verschiebt sich das Geisterbild. Der „Planet“ ist übrigens nicht durch den Sucher (auch nicht bei Spiegelreflexkameras) zu sehen,  sondern erst im durch den Chip erzeugten Bild, auf einem Display ist das Geisterbild schon sichtbar.

(Hinweis: Aufbau eines Chips).

Je größer der Abstand zwischen Linse und Chip, desto weiter entfernt von der Sonne entsteht das Geisterbild. Bei Handys mit geringer Bautiefe wird das Geisterbild also sehr nah an der Sonne erscheinen.


Ich habe gerad noch dies schöne Video dazu gefunden. Da sieht man, dass der Effekt nich nur Abends auftritt, allerdings ist dort dann auch kaum eine Farbverschiebung erken

Die Bilder entstanden mit einer NIKON D70 200277bb (Die Kamera wurde mir übrigens gestohlen), Ein-Chip-Sensor, mit Nikon Telezoom 80-200/2,8, bei Brennweite 200 (entspricht 300 für Film) am 4. Februar 2006 innerhalb einer Minute. So schnell kreist kein Planet um die Sonne.

 

Datum: 13. November 2012
Kategorie: Fotografie & Bildbearbeitung, Lichtbilder
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